{"id":1326,"date":"2024-01-21T14:09:20","date_gmt":"2024-01-21T14:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/holger-montag.de\/?p=1326"},"modified":"2024-01-21T14:09:20","modified_gmt":"2024-01-21T14:09:20","slug":"pebem-2023-begriffe-und-kennzahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/holger-montag.de\/?p=1326","title":{"rendered":"PeBeM 2023: Begriffe und Kennzahlen"},"content":{"rendered":"<h2>Das Pflegest\u00e4rkungsgesetz und die PeBeM<\/h2>\n<p>Ab dem 1. Juli 2023 gibt ein neues, bundeseinheitliches Verfahren die Personalbemessung in vollstation\u00e4ren Pflegeeinrichtungen vor: Die PeBeM.<\/p>\n<p>Bislang wichen die Personalrichtwerte und Regelungen der Bundesl\u00e4nder voneinander ab, das einzige verbindende Element bestand in einer pauschalen Pflegefachkraftquote von 50 Prozent.<\/p>\n<p>Das Pflegest\u00e4rkungsgesetz II vom 1. Januar 2016 sah allerdings die &#8222;Entwicklung und Erprobung eines wissenschaftlich fundierten Verfahrens zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Pflegeeinrichtungen nach qualitativen und quantitativen Ma\u00dfst\u00e4ben gem\u00e4\u00df \u00a7 113c SGB XI&#8220; vor.<\/p>\n<p>Mit dieser Aufgabe wurde schlie\u00dflich der Gesundheits\u00f6konom Prof. Dr. Heinz Rothgang vom SOCIUM Forschungszentrum der Universit\u00e4t Bremen betraut. Dankenswerterweise setzte sich fr\u00fchzeitig die Kurzbezeichnung PeBeM durch.<\/p>\n<p>Professor Rothgangs Team sammelte zun\u00e4chst im Rahmen einer Studie Daten aus 62 Pflegeeinrichtungen. Auf Grundlage der folgenden Auswertungen wurde ein Algorithmus entwickelt, der die zur Betreuung innerhalb einer Einrichtung ben\u00f6tigten Pflegekr\u00e4fte und deren erforderliche Qualifikation errechnet.<\/p>\n<h2>Ergebnisse der Rothgang-Studie<\/h2>\n<p>Die Ergebnisse der Studie und die daraus resultierenden Erkenntnisse und Ma\u00dfnahmen haben wir f\u00fcr Sie im Zwillingsartikel PebeM: Neues zur Altenpflege zusammengefasst. Er nennt auch konkrete Zahlen zu dem anhand der Studienergebnisse errechneten, personellen Mehrbedarf in der (Alten-)Pflege.<\/p>\n<h2>Wie aber funktioniert die PeBeM?<\/h2>\n<p>F\u00fcr die PeBeM wurden gesammelte Daten ausgewertet und daraufhin ein Algorithmus entwickelt.<\/p>\n<p>Die PeBeM basiert auf je zwei quantitativen wie qualitativen Faktoren, die sich auf die Bewohner einerseits (Case-Mix) und die Pflegekr\u00e4fte andererseits (Care-Mix) beziehen und aufeinander abgestimmt werden, um die Pflegezeiten und den Personalbedarf zu errechnen.<\/p>\n<p>Auf diese Weise orientiert sich der Fachkr\u00e4fteeinsatz stets am individuellen Pflegegradmix der Einrichtung. Bei einem hohen Anteil an Bewohnern mit Pflegegrad 4 oder 5 etwa \u2013 und dem damit verbundenen, hohen Pflegeaufwand \u2013 werden besonders viele Pflegefachkr\u00e4fte garantiert.<\/p>\n<h2>Der Case-Mix<\/h2>\n<p>Der Case-Mix bezeichnet den Pflegebedarf der Bewohner. Er errechnet sich aus den Faktoren<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0 Anzahl der Bewohner und<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0 Pflegegrad der Bewohner der Einrichtung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dem Case-Mix werden die Qualifikationen und die Wochenarbeitsstunden der Pflegekr\u00e4fte gegen\u00fcbergestellt (Care-Mix).<\/p>\n<h2>Der Care-Mix<\/h2>\n<p>Der Care-Mix bezeichnet die zur Verf\u00fcgung stehenden Pflegeressourcen. Er errechnet sich aus den Faktoren<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0 Vollzeit\u00e4quivalent und<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0 Qualifikationsstufe der Pflegekr\u00e4fte.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Das Vollzeit\u00e4quivalent: Gradmesser f\u00fcr die Stundenzahl der Pflegekr\u00e4fte<\/h2>\n<p>Ein Schl\u00fcsselbegriff beim Care-Mix ist das so genannte Vollzeit\u00e4quivalent. Diese Bezugsgr\u00f6\u00dfe entspricht der Wochenarbeitszeit einer Vollzeitpflegekraft und ist ungef\u00e4hr das, was bei der Bruchrechnung der gemeinsame Nenner ist.<\/p>\n<p>Da in station\u00e4ren Einrichtungen oftmals viele Teilzeitkr\u00e4fte mit verschiedensten Arbeitszeitmodellen besch\u00e4ftigt sind, m\u00fcssen deren Arbeitszeiten zun\u00e4chst auf das entsprechende Vollzeit\u00e4quivalent umgerechnet werden.<\/p>\n<p>Arbeitet eine Vollzeitkraft innerhalb einer Einrichtung zum Beispiel 40 Stunden pro Woche, entspricht dies einem Vollzeit\u00e4quivalent. Ein Mitarbeiter in 20%-Teilzeit und einer entsprechenden Wochenarbeitszeit von 8 Stunden kommt folglich auf ein Vollzeit\u00e4quivalent von 0,2.<\/p>\n<p>Bliebe es bei diesen beiden Pflegekr\u00e4ften, hielte die Pflegeeinrichtung also 1,2 Vollzeit\u00e4quivalente zur Betreuung bereit.<\/p>\n<h2>Qualifikationsstufen: Ausbildungsgrad der Pflegekr\u00e4fte<\/h2>\n<p>Zweite Bezugsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr den optimalen Care-Mix ist die Qualifikation der Pflegekr\u00e4fte. Sie wird in vier Qualifikationsniveaus (QN) und drei Qualifikationsstufen unterteilt:<\/p>\n<h3>Qualifikationsstufe 1<\/h3>\n<p>QN 1: Personen ohne Ausbildung, nach 4 Monaten angeleiteter T\u00e4tigkeit<\/p>\n<p>QN 2 (Pflege): Personen ohne Ausbildung mit einem 2-6monatigen Pflegebasiskurs und 1-j\u00e4hriger angeleiteter T\u00e4tigkeit; QN 2 (Betreuung): Betreuungskr\u00e4fte nach \u00a7 43b SGB XI und \u00a7 53c SGB XI<\/p>\n<h3>Qualifikationsstufe 2<\/h3>\n<p>QN 3: Pflegeassistenzkr\u00e4fte mit 1- oder 2-j\u00e4hriger Ausbildung<\/p>\n<h3>Qualifikationsstufe 3<\/h3>\n<p>QN 4: Pflegefachpersonen\/-kr\u00e4fte mit 3-j\u00e4hriger Ausbildung<\/p>\n<p>PeBeM und Mindestpersonalvorgaben der L\u00e4nder: Was gilt denn nun?<\/p>\n<p>Mithilfe der PeBeM kann der individuelle Personalbedarf je Einrichtung rechnerisch exakt ermittelt werden. Wichtig: Die Personalschl\u00fcssel je Pflegegrad stellen k\u00fcnftig lediglich eine bundeseinheitliche H\u00f6chstgrenze dar, die durch die Pflegesatzvereinbarungen abgedeckt wird. Die Mindestpersonalaustattung in Einrichtungen wird weiterhin durch die Personalrichtwerte des jeweiligen Bundeslandes bestimmt.<\/p>\n<h2>Wie erfolgt die Zuordnung?<\/h2>\n<p>Die Vollzeit\u00e4quivalente und Qualifikationsstufen sind im Sozialgesetzbuch (SGB) unter \u00a7 113c SGB XI der &#8222;Personalbemessung in vollstation\u00e4ren Pflegeeinrichtungen&#8220; den einzelnen Pflegegraden zugeordnet. So werden beispielsweise f\u00fcr einen Pflegebed\u00fcrftigen des Pflegegrades 5 folgende Personalanhaltswerte vorgegeben (komplette Tabelle nachstehend):<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0 Hilfskraft ohne Ausbildung (Qualifikationsstufe 1): 0,1758 Vollzeit\u00e4quivalente<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0 Hilfskraft mit Helfer- oder Assistenzausbildung von mindestens einem Jahr(Qualifikationsstufe 1): 0,1102 Vollzeit\u00e4quivalente<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0 Fachkraft (Qualifikationsstufe 3): 0,3842 Vollzeit\u00e4quivalente<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Qualifikation Pflegefachkraft (QS 3\/QN 4) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,0770 &#8211; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Pflegegrad 1<\/p>\n<p>Qualifikation Pflegefachkraft (QS 3\/QN 4) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1037 &#8211;\u00a0 Pflegegrad 2<\/p>\n<p>Qualifikation Pflegefachkraft (QS 3\/QN 4) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1551 &#8211; Pflegegrad 3<\/p>\n<p>Qualifikation Pflegefachkraft (QS 3\/QN 4) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,2463 &#8211; Pflegegrad 4<\/p>\n<p>Qualifikation Pflegefachkraft (QS 3\/QN 4) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,3842 &#8211; Pflegegrad 5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft mit mindestens 1-j\u00e4hriger Ausbildung (QS 2\/QN3) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,0564 &#8211; Pflegegrad 1<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft mit mindestens 1-j\u00e4hriger Ausbildung (QS 2\/QN3) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,0675 &#8211; Pflegegrad 2<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft mit mindestens 1-j\u00e4hriger Ausbildung (QS 2\/QN3) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1074 &#8211; Pflegegrad 3<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft mit mindestens 1-j\u00e4hriger Ausbildung (QS 2\/QN3) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1413 &#8211; Pflegegrad 4<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft mit mindestens 1-j\u00e4hriger Ausbildung (QS 2\/QN3) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1102 &#8211; Pflegegrad 5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft ohne Ausbildung (QS 1\/QN 1+2) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,0872 &#8211; Pflegegrad 1<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft ohne Ausbildung (QS 1\/QN 1+2) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1202 &#8211; Pflegegrad 2<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft ohne Ausbildung (QS 1\/QN 1+2) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1449 &#8211; Pflegegrad 3<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft ohne Ausbildung (QS 1\/QN 1+2) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1627 &#8211; Pflegegrad 4<\/p>\n<p>Qualifikation Hilfskraft ohne Ausbildung (QS 1\/QN 1+2) &#8211; Vollzeit\u00e4quivalent 0,1758 &#8211; Pflegegrad 5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: \u00a7 113c Sozialgesetzbuch (SGB XI)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine h\u00f6here personelle Ausstattung ist m\u00f6glich, aber nur unter bestimmten Umst\u00e4nden wirtschaftlich sinnvoll. Zum Beispiel, wenn sie in der bestehenden Pflegesatzvereinbarung festgehalten wurde oder die Einrichtung ihr Ausfallmanagement \u00fcber einen Personalpool reguliert.<\/p>\n<p>So oder so m\u00fcssen aber in der Altenpflege zun\u00e4chst ausreichend Pflegefachkr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung stehen. Der Berufsstand ben\u00f6tigt ebenso eine Aufwertung wie die Ausbildungsbedingungen. Hier\u00fcber erfahren Sie mehr in meinem zweiten Blog-Beitrag zur PeBeM: Neues zur Altenpflege.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Pflegest\u00e4rkungsgesetz und die PeBeM Ab dem 1. Juli 2023 gibt ein neues, bundeseinheitliches Verfahren die Personalbemessung in vollstation\u00e4ren Pflegeeinrichtungen vor: Die PeBeM. Bislang wichen die Personalrichtwerte und Regelungen der Bundesl\u00e4nder voneinander ab, das einzige verbindende Element bestand in einer pauschalen Pflegefachkraftquote von 50 Prozent. Das Pflegest\u00e4rkungsgesetz II vom 1. 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